Neue Möglichkeiten für Spielsuchterkrankte an der Universitätsklinik Bochum

Die Glücksspielsucht gehört zu einer unterschätzen Krankheit. Diese ist im gleichen Maß behandlungsbedürftig wie auch die Alkohol- oder Tablettensucht. Spielsucht bringt nicht bloß Schulden, sondern fortlaufend auch Depressionen und Entfremdung des sozialen Umfeldes mit sich. Allein in Deutschland zählen aktuell mehr als 20.000 Menschen als spielsüchtig. Diese sind dem Zocken in Spielhallen und Wettbüros, aber auch auf Online-Plattformen regelrecht verfallen – und der Weg aus diesem tiefen Fall ist schwer. Die Universitätsklinik Bochum hat die Türen zu ihrem neuen Behandlungszentrum für Glücksspielsüchtige geöffnet. Der Grund der Neugründung war ein Behandlungsengpass im Bereich der Abhängigkeitserkrankungen. Immer mehr Menschen suchen Hilfe, von ihren Süchten befreit zu werden. Jetzt hat die Klinik wieder neue Möglichkeiten, mehr von ihnen auf dem Weg in ein neues Leben zu begleiten.

Wie erkennt man das Erleiden an einer Glücksspielsucht?

Gerade in der heutigen Zeit, in der viele Menschen ihre Zeit ununterbrochen vor dem Bildschirm verbringen – ob am Computer, Smartphone oder Tablet -, sollte bewusst sein, wann eine Spielsucht eintritt. Folgend haben wir eine Liste mit Merkmalen zusammengestellt, die eine Spielsucht vermuten lassen:

  1. Häufiges Spielen, das zur Vernachlässigung anderer Freizeitaktivitäten führt
  2. Steigerung der Spieleinsätze
  3. Anhaltende Gedanken zum Glücksspiel, insbesondere zur Geldbeschaffung
  4. Geldbeschaffung durch illegale Taten
  5. Gefährdung wichtiger Beziehungen sowie dem Arbeitsplatz
  6. Spielen zur Verdrängung von Problemen und Stresssituationen
  7. Verlust der Spielkontrolle
  8. Festhalten am Spielen trotz Geldverlusten
  9. Ausschluss aus der Gesellschaft
  10. Lügen, um die Problematik des Spielens zu verheimlichen

Zwar gibt es heute kaum noch einen Anbieter von Glücksspielen, welcher nicht gleichzeitig ein Angebot für die Spielsuchtprävention bereitstellt, allerdings wird es kaum einen Spielsuchterkrankten geben, der die Stärke hat, sich eigenständig an diesen zu wenden. Wichtig ist, dass besonders die Familie auf das Verhalten des Betroffenen achtet und diesem unter keinen Umständen Geld übergibt. Sobald einem Familienmitglied eines oder mehrere der Symptome auffallen sollte, ist es geraten, ein ruhiges Gespräch zum Betroffenen zu suchen.

Was Erkrankte in der Klinik erwartet

In der Universitätsklinik Bochum gibt es vor dem Start einer Therapie ein aufklärendes Gespräch, in dem gelernte Psychologen feststellen, wie häufig der Betroffene spielt und welche Konsequenzen dies für ihn hat. Sollte die Spielsucht als krankhaft gewertet werden, dann gibt es eine individualisierte Therapie, die auf die Probleme und Schwierigkeiten des Betroffenen zugeschnitten ist. Nach einer Therapie, die mehrere Wochen anhalten kann, gibt es außerdem weitere Behandlungsmöglichkeiten wie spezielle Reha oder Selbsthilfegruppen. Den Erkrankten muss ganz klar dabei geholfen werden, ihren Weg zurück in ein normales Leben zu finden. Besonders Dinge wie Sport oder Musik können dabei eine wichtige Rolle einnehmen, denn sie können dem Patienten zeigen, dass es mehr als Spielen gibt, das langanhaltende Glücksgefühle hervorrufen kann. Außerdem ist es wichtig, dass Betroffene erneut lernen, mit dem Geld umzugehen. In der Regel erhalten Patienten in Kliniken ein begrenztes Taschengeld von etwa 30 Euro die Woche. Dadurch sollen sie lernen, den Wert des Geldes wieder einschätzen zu können. Neben Einzeltherapien gelten auch Gruppentherapien als erfolgreich, da Betroffene mit selben Problemen einander konfrontiert werden und gegenseitig voneinander lernen können. Oft kommt es vor, dass Spielsüchtige geringen Stadiums von extremen Betroffenen sogar schockiert werden und einen Weg finden, sich selbst wieder aufzuraffen.

Die Universitätsklinik Bochum bietet neben dem Behandlungszentrum für Glücksspielsüchtige seit neuestem auch eine Medienambulanz für Internetsüchtige an. Auch hier kann es zu schwerwiegenden Folgen kommen mit denen nicht zu spaßen ist.

Die Gefahr eines Rückfalls

Statistisch gesehen ist die Gefahr eines Rückfalls bei Spielsuchterkrankten leider ziemlich hoch. Lediglich 40% der Betroffenen, die in einer Klinik behandelt worden sind, haben den Weg aus der Spielsucht vollständig meistern können. Das beweist, dass die Spielsucht eine schwere und chronische Erkrankung sein kann. Ein Rückfall kann wie auch bei der Alkoholsucht durch kleinste Dinge wie dem Klimpern von Münzen oder Werbeschildern gepaart mit Stresssituationen und Stimmungsschwankungen ausgelöst werden. Dadurch wird von Psychologen und Therapeuten oft geraten, auch nach einem erfolgreichen Aufenthalt in der Klinik weiterhin am Ball zu bleiben und bestenfalls für weitere Zeit eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Auch Familienangehörige und Bekannte sollten dem Betroffenen in der Zeit nach der Behandlung besonders beistehen und auf verdächtige Symptome eines Rückfalls achten.  Alle Patienten werden bei Entlassung eine Notfallrufnummer erhalten, an die sie sich wenden können, sobald sie Gefahr laufen, wieder rückfällig zu werden. Das Problem bei der Spielsucht ist allerdings, dass die Betroffenen sich in ihrem Inneren verstecken und mit negativ belasteten Situationen meist nicht anders umgehen können, als wieder zum Glücksspiel zu greifen.

 

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